Zeitschrift

für Transformation

Nummer 1 Herbst 2006

 

Bericht über die Arbeit in den unterirdischen Sphären auf dem ehemaligen KZlager Bergen-Belsen, 10. und 11. Juni 2006

von Nicolaas de Jong

Dieses Lager ist kein Vernichtungslager wie Auschwitz, Dachau, Treblinka oder Sobibor, sondern war anfangs Internierungslager für ausländi-sche Soldaten, wie zunächst den Russen. Später wurde es mehr eine Durch-gangsstation zu anderen Vernichtungslagern. Als damals die deutsche Kriegs-führung fehlging, kamen viele Überlebende aus anderen Lagern zu Fuß hierher zurück und es entstand ein Frauenlager, ein Zeltlager und eine Abteilung, wo Gefangene verblieben, teilweise ausländische Juden, über die Austauschverhandlungen geführt wurden. Vor allem diese letzte Gruppe hatte es etwas besser. Es gab ein großes Krankenhaus, wo viele Gefangene lagen, aber wo gegen Ende immer weniger Krankenversorgung ausgeübt wurde.
Es wurde hier systematisch zu wenig Essen gegeben, sodass die Menschen langsam verhungerten. Die Folge davon war, dass das soziale Leben im Lager ziemlich unter Druck stand. Man begann Kleidung und Essen von einander zu stehlen und jene, die sich dabei aufrieben, wurden mehr oder weniger wesenlos, ihr Ich wurde herausgetrieben und so starben sie langsam dahin. Gegen Kriegsende hatten auch die Nazis weniger Mittel und bekamen die Gefangenen noch weniger zu essen, sodass in den letzten Monaten des Jahres 1944, vor der Befreiung im April, wieder viele Menschen durch Verhungern starben. Dazu kam, dass ein Herbststurm das Zeltlager weggefegt hatte, sodass in den dünnen Lagerkleidern überwintert werden musste, entweder in vollen Baracken oder auf freiem Feld. Das Bild des menschlichen Elends wurde vollständig. Auch nach der Befreiung starben viele Menschen, weil sie plötzlich wieder anfingen zu essen.
Die Folge davon ist, heute noch, dass der soziale Organismus an diesem Ort stark angegriffen ist. Es wurde schon durch verschiedene Gruppen heilende Arbeit getan, schließlich sieht es hier weniger schlimm aus als in den Vernichtungslagern, aber man fühlt die soziale Kälte und Verlassenheit unter der Oberfläche. Auffallend war es für die Teilnehmer an diesem Projekt danach, dass es schwieriger war um mit den Überlebenden in individuellen Kontakt zu treten. Die Massengräber auf dem Gelände gaben oft ein allgemeines Erleben von Seelenschmerz, aber nicht einen individuellen. Auf den wenigen Plätzen, wo noch die Fundamente der Baracken bloßgelegt waren, ging der persönliche Kontakt wieder etwas besser.
Die Mühe mit dem sozialen Prozess äußerte sich auch darin, dass zu der schon jahrelang zusammenarbeitenden Gruppe von Teilnehmern auf einmal drei neue verschiedener Nationalitäten hinzukamen, während zwei schon Bekannte kurz vorher abreisten. Am Abend fand noch unter den schon bekannten Gruppenmitgliedern eine kräftige Auseinandersetzung statt, die am folgenden Tag zur Klärung führte. Die Folge war, dass es während der vorbe-reitenden Arbeit recht schwer schien eine Gruppe zu bilden, sodass jeder auf eigene Verantwortung da stand. Dies machte es manchmal etwas schwierig in die verschiedenen unterirdischen Sphären einzudringen, aber verursachte in anderen Momenten, dass so eine neue Zusammengehörigkeit entstand und wir auf einmal wieder viel klarer und tiefer in diese gefallenen Schichten eindringen und den dort herrschenden Wesen und Menschen begegnen konnten. Schließlich wurde deutlich, dass es uns auch eine Möglichkeit gab um den dort noch hängengebliebenen Menschen die individuelle Aufrichtungskraft, in und durch den Gruppenprozess, als Beispiel zu geben. Das Ganze hat dadurch im Nachhinein auf den Ort stark heilend gewirkt.
In der Arbeit in den unterirdischen Sphären kam besonders hervor, dass ab der vierten Sphäre dort Wesen einen Bann über das Gelände legten, die der Formerde, wo die Gegen-Formgeister leben. Aus der fünften unterir-dischen Sphäre kam die schwammartige Wachstumskraft dazu. Das war auch nicht so verwunderlich, angesichts der Tatsache, dass das Lager in jener Zeit in einem abgelegenen Waldgebiet aufgeschlagen wurde, weit weg von den kritischen Augen der Gesellschaft, um die gefangenen, russischen Soldaten unterzu-bringen (und sie nach Belieben zu mißhandeln und auszuhungern, so wie es sich später gezeigt hat). Das Lager wurde schnell aus dem Boden gestampft, gebaut von Gefangenen, erlebte ein wucherartiges Wachstum und wurde nach der Befreiung schnell wieder vernichtet. Die Wachstumskraft kam jedoch von einer Schicht tiefer, der Feuer-Erde, wo die Gegen-Bewe-gungs-geister wohnen. Diese waren die Inspiratoren zu den Nazi-Ideologien, die sich unter anderem in den megalomanen Bauprojekten des Architekten Speer ausgedrückt haben und von denen auch die Inspirationen kamen um die Juden und Zigeuner systematisch zu vernichten, aufgrund von verworre-nen Ideen über die Erdentwicklung. Danach wurde deutlich, dass noch viele dort festsitzende Menschen davon ausgingen, dass Hitler einer von ihnen war (er war nämlich zweitausend Jahre zuvor auch in Israel inkarniert gewesen, damals als Priester). Nachdem ihnen erzählt wurde, dass er darin eine wenig schöne Rolle gespielt hatte und nun die Folgen davon abweisen wollte, konnten wieder viele von diesen Menschen aufstehen und auf ihrer geistigen Reise weiter gehen.
Es waren namentlich diese drei Sphären, wo wir uns eingespannt hatten die Masse in Bewegung zu bringen, was schließlich auch gelang; es ist mehr Licht und Befreiung entstanden und die gefallenen Wesen ließen auch Umwandlungskräfte in sich zu. Danach waren die letzten drei Sphären zugänglicher und wir konnten hier mehr Licht- und Liebeskräfte mit unserem Gesang erklingen lassen. Verschiedene der Teilnehmer sagten, dass darin wieder Ordnung hergestellt wurde. Schließlich ist jeder seines Weges gegangen, mit einer Bereicherung an Einsichten bezüglich des Reinigens eines gefallenen Ortes und daneben in den möglichen Verlauf eines sozialen Prozesses, der durch individuelles Streben doch manchmal eine Begegnung zustande bringen kann und dadurch umso tiefer wirken kann.

 

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