Zeitschrift

für Transformation

Nummer 1 Herbst 2006

 

Landschaftsarbeit auf dem Jupiter-Einströmungspunkt von Europa

Die Externsteine: Das zentrale germanische Heiligtum

von Elbert Slikkerveer

Mitten in Deutschland zwischen Detmold und Paderborn, nahe dem Fluss Lippe und an den Ausläufern des Teutoburger Waldes, gibt es einen kleinen abschließenden Bergrücken mit felsigem Grund und einer Erdschicht und Steinen darüber. Am Ende dieses Bergrückens sind Erde und Gestein verschwunden und ragen vier einzelne, aufrecht stehende Felsen wie Riesenfinger empor (der größte von ihnen ist 38 m hoch). Sie werden die Externsteine genannt. Es ist das alte, zentrale Heiligtum der Germanen.

Eine kurze Einführung

Bereits beim ersten Anblick fällt auf, dass die ganze Form und die Erde des Ortes sich nicht vergleichen lässt mit der strengen Geometrie, die viele alten Myterienstätten anderswo in Europa kennzeichnet. Noch immer macht der Ort einen launenhaften, wüsten Eindruck.
Dazu eine kurze Beschreibung der vier Felsblöcke: Am Fuß des ersten Fels-blocks liegt ein großer Stein. Darin ist ein Raum eingemeißelt, in dem Weihe-handlungen durchgeführt wurden (z.B. gibt es ein Wasserbecken und Darstel-lungen sowie Bilder an den Wänden). Hier wurde eine Art Nahtodeserfahrung durch Ertrinken bewusst erlebt und durch singende Priester begleitet.1 Der zweite Felsen hat an der Spitze einen eingemeißelten Raum mit Öffnungen und Nischen, die bei Sonnenaufgang an den Sonnenwendtagen exakt beschienen werden (ein Teil der Wände und das Dach sind eingestürzt, so dass der Raum nun offen ist). Der zweite Felsblock ist heute in ungefähr 20 m Höhe über eine Brücke erreichbar, die aus dem dritten Felsen kommt. Früher bestand diese Verbindung aus einem lose hängenden Tau. Der dritte Felsblock hat eine ausgehauene Treppe nach oben, (die früher geschlossen war, so dass man im Dunkeln ging), wo eine Einweihung auf dem verbindenden Tau über dem Abgrund zwischen dem zweiten und dritten Felsen als sogenannte Luftprobe zu bestehen war; man kam aus der abgeschlossenen Finsternis der Treppe plötzlich in die Weite des Abgrunds zwischen dem zweiten und dem dritten Felsen, wo das Tau hing und musste auf Gott vertrauen und darüber gehen, um in den Raum des zweiten Felsens zu kommen, wo der leitende Priesterhierophant einen empfing. Zwischen dem zweiten und dritten Felsen ist unten eine Art Beichtstuhl eingehauen, wo früher das wichtigste Bildnis der Germanen gestanden hat, nämlich der Irminzul oder Yggdrasil (Ich-Träger) in Form eines großen Lebensbaums. Der vierte Felsen, getrennt von den drei anderen durch einen Weg, der in die Berge dahinter führt, hat einen sogenannten Wackelstein obenauf liegen, (der heute befestigt ist), wodurch Odin, der zentrale germanische Gott, sprechen konnte, indem er ihn in codierter Sprache sich bewegen ließ. Eine charakteristische Gestaltung in diesem Felsen ist ein Relief, das den gekreuzigten Odin an einem Baum hängend zeigt.

 

Urgeschichte

Rudolf Steiner gibt an, dass ungefähr 700 v.Chr. diejenige Individualität, die in einem darauffolgenden Leben Gauthama Buddha werden sollte, auf der Krim in Südruss-land eine Mysterienstätte hatte. Diese Individualität wurde durch die Germanen als Odin oder Wotan als die sie inspirie-rende Hauptgottheit verehrt. Die Externsteine, Vorderansicht.
Auf der Krim waren u.a.
der spätere Mani, der spätere Franziskus von Assisi und Skythianos, für die Germanen Eingeweihte, seine Schüler. In der germani-schen Mythologie wird erzählt wie Odin, nachdem er neun Tage an dem Baum hängend, ‚von dem niemand weiß, aus welchen Wurzeln er wächst’, die Runen hervorbrachte. Skythianos hat diese Runenschrift von der Krim aus mit nach Mitteleuropa gebracht. Er wurde durch die Skythen begleitet, ein streitbares Volk, das auf dem Balkan lebte, und eroberte mit ihnen die Externsteine, wo hauptsächlich keltische Druidenpriester dieses Heiligtum betreuten und die darum herum lebenden Germanen lehrten. Mit dieser Eroberung und der Runenschrift bekam das germanische Volk einen intellektuellen Einschlag, das sich bis dahin stark als Teil des Kosmos’ fühlte und worin der Einzelne sich noch nicht als solcher erlebte, sondern sich buchstäblich als Teil seines Stammes fühlte. Durch Kampf und geistige Verzückung im rhythmischen Vortragen von Helden- und Göttergedichten in Bildform und Stabreim, erlebten sie eine Art von Extase, wurden über ihren Stammesverband hinausgehoben und erlebten sich als ein Individuum. Anfänglich hatten sie dann auch eine starke Hellsicht-igkeit und behielten diese im Vergleich zu Völkern Südeuropas viel länger.
Der Verlust dieser Fähigkeiten drückt sich im Tod Baldurs aus. Baldur, der Sohn Wotans, von jedem gepriesen, blendend schön und strahlend anzuschauen, der weiseste aller Asen, wird durch einen Mistelspeer, von Loki hergestellt, ermordet. Loki tat dies als Reaktion auf einen Versuch Wotans den bereits prophezeiten Tod Baldurs zu verhindern. Baldur wird unverwundbar gemacht, indem man alle Naturwesen schwören lässt Baldur nicht zu töten, aber man vergaß gerade die Mistel. Als alle Götter sich damit vergnügen alles mögliche auf Baldur zu werfen, da er doch unverwundbar ist, gibt Loki diesen Speer dem blinden Hönir, der darauf unbeabsichtigt Baldur tötet. Die Götter sind rasend; Hönir wird auf den Scheiterhaufen geworfen und Loki muss aus Asgaard flüchten. Mit Baldurs Tod beginnt der Untergang Asgaards, kulminierend in der großen Schlacht, in der Wotan vom Fenriswolf verschlungen wird, der widerum anschließend von Widar getötet wird. Thor schlägt die Weltenschlange, stirbt aber an ihrem Gift. Freyr fällt durch den finsteren Surd, Heimdal und Loki töten sich gegenseitig. Tyr und Garmt, der Höllenhund, hacken aufeinander ein. Es ist die Zeit des Ragnarrök, der Götterdämmerung. Für die Menschen verschwinden die Götter aus ihrer Erlebniswelt und die Natur beginnt zu schweigen. Die Edda erzählt, dass eine neue Welt entstehen sollte, mit einem neuen Menschen- und Götter-geschlecht. Baldur und Hönir kommen als Brüder aus der Unterwelt hervor.
Die germanische Mythologie hat deutlich einen grimmigeren Charakter als z.B. die griechische. Die Germanen erlebten die Ragnarrök als etwas sichtbar Werdendes in der schnell abnehmenden Hellsichtigkeit und zur-gleicherzeit als etwas, worauf man sich vorbereiten müsste. Nur die Mutigen gingen nach dem Tod nach Walhalla, wo sie dann an dem einen Tag mit den Göttern in der großen Schlacht antreten würden. Darin ist der Grund für die charakteristischen Eigenschaften der germanischen Einweihung zu finden: die Mutmysterien. Wenn z.B. ein Einzu-weihender aus dem Dunklen des zweitens Felsens geklettert war und plötzlich außen im Tageslicht den Abgrund unter sich wahrnahm, wirkte dies so stark, dass er all seine Kräfte zu-
zusammenraffen musste, um über das Tau gehen zu können. Das war für ihn unvorstellbar schwerer als es nun für uns der Fall sein würde. Er lernte durch Geistesgegenwart zu entwickeln, womit sein Ich die anderen Wesensglieder in den Griff bekam.

Tot und Auferstehung oberhalb der geknickten Lebensbaum.

 

Seit unserer Zeitrechnung

Die Externsteine bleiben bis weit in unsere Zeitrechnung hinein das zentrale Heiligtum der Germanen, von wo aus sie ihre Stammes- und Volksaufgaben entgegennahmen. In alten Schriften wird dieses Gebiet auch das Idafeld genannt; das ist mehr als vielsagend. In der Edda ist dies der Ort, wo früher Asgaard gewesen war. Steiner gibt an, dass Asgaard während einer bestimmten Zeit buchstäblich über einem bestimmten Gebiet in Deutschland lag. Der anthroposophische Forscher Hans Gsänger ist zu der Schlussfolgerung gekommen, das dies oberhalb der Externsteine gewesen sein muss.2
Um 100 n.Chr. beschrieb Tacitus wie die Germanen von der Seherin Weleda („viel Wissende“), geleitet wurden, die in einem Turm an der Lippe lebte, eben genau in den Externsteinen. 9. n.Chr. hat der germanische Cherusker Arminius (Hermann/Irmin) nahe den Externsteinen heranziehende, römische Legionen mit nur einzelnen Nachbarstämmen vernichtend geschlagen, was zur Folge hatte, dass die Römer schließlich aufgaben ihr Reich über den Rhein hinweg auszubreiten.3
Im 5. Jahrhundert spielt sich bei Worms am Rhein das Nibelungen-drama ab. Ein wichtiger Teil davon ist, dass Siegfried Brunhilde weckt und damit das höhere Ich für jeder individueller Germane, womit dieser sich aus dem Volks- und Stammesverband lösen konnte. Er verheiratet sich jedoch nicht mit ihr, da er sich in Kriemhilde verliebte. In dem Drama, das sich anschließend entfaltet, ist es Hagen, der, angestachelt durch eine eifer-süchtige Brunhilde, Siegfried mit einem Speer in den Rücken ermordet. Nach Steiner vollzieht sich hier das Drama von Baldur und Hönir, diesmal auf physischer Ebene in der Men-schenwelt.4 Kriemhilde sinnt anschließend auf Rache und geht darum zum Hunnen-könig Attila. In der sogenannten Nibelungenschlacht geht dann das ganze Königshaus von Worms zugrunde. Durch die daraufhin weitergehenden Einfälle der Hunnen werden die Völkerwanderungen in Gang gesetzt und damit auch indirekt der endliche Untergang des weströmischen Reiches.
Die germanischen Stämme verbreiten sich über Europa und der sie leitende Erzengel der Stämme wird die leitende Volksseele für die verschiedenen Völker, die in West- und Mitteleuropa entstanden als Folge der Wanderungen und daraus entstehenden Ver-mischung der Germanen mit der lokalen Bevölkerung. Die karmische Forschung von N.de Jong hat ergeben, dass die Hauptakteure in diesem menschlichen und kulturellen Drama jeweils eine wichtige Rolle in der Entwicklung rund um das Mysterium von Golgatha gespielt haben. So ist Skythianos bei einer wichtigen Zusammenkunft im 4. Jh. n.Chr. anwesend, wo mit Mani, Zarathustra und Christian Rosenkreuz beschlossen wurde den Gral in den Westen zu bringen. Siegfried ist eine Inkarnation von Skythianos; um das höhere Ich der Germanen zu wecken, bereitete er sie auf die späteren Parzifal-geschehnisse vor, indem sie das Schwert des Verstande schärften und ausrichteten. So konnte später jeder Germane als eine Art Widar die Lügenhaftigkeit des Fenriswolfes töten, in sich selbst wie auch in der Kultur.
Im 8. Jahrhundert, als die Sachsen um die Externsteine herum das Heiligtum noch immer in Ehren hielten, unterwarf sie Karl der Große und ver-wüstete die Kultstätte großenteils, um sie so zum Christentum zu bekehren. Auf dem ersten Felsen ist (wahrscheinlich) nach dieser Zeit ein Relief einge-meißelt worden, worin Christus abgebildet wird wie er vom Kreuz genommen wird, u.a. von Josef v. Arimathäa, der auf einem Stuhl in Form einen geknick-ten Lebensbaums steht, während oben der auferstandene Christus diese Szene leitet. Er wird hier als Kind von Sonne und Mond abgebil-det, bezüglich des, auf den Kosmos bezogenen Weltbilds der Germanen. Den besiegten Germanen wurde so ein trostreiches Bild vorgehalten, wodurch die Legende der Rückkehr Baldurs Anschluss an die Auferstehung des Christus findet. Die germanischen Mysterien in ihrer alten Form zogen sich Stück für Stück nach Skandinavien zurück, wo sie noch lange Zeit erhalten blieben. Sie kamen durch die Wikinger erneut nach Europa zurück, verfielen dann aber schnell.
In den darauf folgenden Jahrhunderten sind einige Male Klöster um die Externssteine herum gebaut worden. Diese wurden wieder verwüstet und es blieben davon noch einige Fundamente. Nun ist es ein Landschaftspark. Zur Zeit des romantischen 19. Jahrhunderts ist der in Vergessenheit geratene Ort zu einem national-germanischen Symbol geworden.

 

Landschaftsarbeit

Dazu ein Eindruck von unserer Landschaftsarbeit bei den Externstei-nen: Wir haben hier gearbeitet, weil innere Forschung darauf verwies, dass der Platz immer noch der zentrale Einströmungspunkt der Jupiterkräfte ist, die die heutige europäische Kultur als Zentrum West- und Mitteleuropas impulsieren.5 Wir haben versucht die Wirkungen der Sterne, die für unsere Kultur wichtig sind, erneut mit diesem zentralen Ort zu verbinden und so, mit Zufügung unserer eigenen Absichten, die schlummernden und irgendwie verzerrten Kräfte und Wesen wieder zu mobilisieren. Weil die Sternenkräfte durch den Frühlingspunkt in die Erde und Kultur eingewirkt werden und jede Kultur ihre eigenen Sternbildwirkungen mit sich bringt, haben wir die relevanten Sternbilder eingearbeitet, übereinstimmend mit den astroso-phischen und astrognomischen Arbeitsmethoden. Am Wochenende 25./26. Mai 2002, zur Zeit als der amerikanische Präsident Bush versuchte die Regierungschefs in Europa für seine Anti-Terror-Aktionen in der arabischen Welt zu gewinnen, gingen wir mit einer Gruppe von 13 erfahrenen Landschaftsarbeitern ans Werk . . .
Die berüchtigte Opposition von Saturn und Pluto, die im vergangenen Jahr viel Unheil gebracht hatte, war zuletzt wieder voll: ein besonders guter Grund, um unsere Sternkraft verdichtende Arbeit nun einer für uns bekannten Landschaftsarbeit hinzuzufügen. Das hatten wir zuvor nicht getan.
Am Samstag, gegen 10 Uhr, nahmen wir wahr, was an dem Platz lebte und notwendig war. Das war nicht eindeutig, denn der Ort machte immer noch einen geheimnisvollen Eindruck. Es gab eine gewisse Festigkeit und Vitalität, fast Zähigkeit und Zwanghaftigkeit. Ich selbst legte mich am Fuß des ersten Steins in die ausgehauene Form und fühlte wie ich nach innen gezogen wurde mit einem „Komm nur, ich begleite dich gut“.
Danach sangen wir nach dem Einleben die Tagesstimmung, um eine Verbindung zu den Landschaftswesen (Natur) und dem Kosmos (Geist) aus unserer Seele heraus zu schaffen. Gesang ist der Eingang, um sich Gefühls-wahrnehmungen zu öffnen und so wird aus der Seele heraus das Landschafts-wesen in unserem Bewusstsein geweckt. Anschließend haben wir die Aufga-ben verteilt, sind jeder unseres Weges gegangen und kamen wieder an einem anderen Punkt zusammen. Unsere Absicht war es, die vier Himmelsrich-tungen, die sich an diesem Punkt treffen, phänomenologisch zu beschreiben und auszumodellieren, um infolgedessen Worte zu finden, diese in einem Gedicht und der passenden Gebärde auszudrücken. Danach hatten einige ein Sternbild gewählt, in das sie sich zu Hause vertieft hatten. Diese Sternbilder, Zirkel, Wolf, Schlangenträger, Schütze, Skorpion, Schlangenkopf und Herkules, die mit dem heutigen, europäischen Kulturimpuls zusammen-hängen (sie stehen auf einer Linie am nördlichen und südlichen Sternen-himmel, im Bezug auf dem Frühlingspunkt) sind an diesem Ort erneut unter-sucht worden und auch in Wort, Musik und Gebärde ‚tanzend’ in den Land-schaftspunkt eingefügt worden. Ausgangsmaterial für diese Unter-suchung war die Musik des Sternbildes, die mit Hilfe von astrosophischen (besser astrophonischen) Einsichten komponiert wurde, als auch Einsichten in das Sternbild selbst. Mit anderen Worten: es ging dabei um eine neue Art der Verbindung von Sternenwirksamkeiten mit dem zentralen Landschaftspunkt.

Der Tanz

Aus dieser Sternenarbeit kamen mit den Sternbildern verbundene Ideale zum Vorschein, wovon ich hier eine eigene Erfahrung beschreibe. Ich beschäftigte mich mit dem Sternbild Zirkel. Die Musik bestand aus drei Tönen, sehr klar und kräftig. Es rief in erster Linie ein einsames Gefühl hervor, von allem ausgegrenzt zu werden und auf sich selbst zurück-geworfen zu sein. Das ist auch das, was ein Zirkel in drei Schritten tut, nämlich 1. den Mittelpunkt auf das Papier setzen, 2. den Umkreis beschreiben und 3. den Kreis schließen. Das darin beschriebene Ideal habe ich nach einer Anzahl von Vorübungen in einem Tonmodell ausgearbeitet, das später im Kreistanz plaziert wurde. Das Modell drückte ein Menschenwesen aus, dass durch Abgrenzung in seiner eigenen Ich-Kraft zu stehen kommt und so etwas für die Welt bedeuten kann. Mein Tanz ging so weiter:

Ideal:

Grenzen setzen, um in die eigene Kraft zu kommen. Auf diesem Platz gibt es auch eine Grenze, gewünscht zwischen alten und neuen Einweihungs-methoden.

Bewegung:

Ein Schritt an einen bewusst gewählten Punkt. Eine A-Gebärde öffnet einen Kreis um dich herum. Laufen auf der Kreislinie. Hände auf der Brust gekreuzt. Einander die Hände reichen.

Text:

Treffe eine Entscheidung, wähle einen Punkt.
Mach dich frei.
Setze deine Grenze
Geh auf den Weg zu dir selbst
Freiheit in Verbundenheit.

Ein einfacher, aber deutlicher Tanz. Nach dem Tanz habe ich den Wunsch ausgesprochen, dass dieser Ort werden möge, wofür er bestimmt ist und dass die Menschen, die mit ihm zu tun haben, sich selbst kräftig genug wissen sich hinzustellen ohne sich in vielleicht anderen gut gemeinten Wegen zu verlieren.
Am Ende des Mittags war jeder fertig und wir hatten eine schöne Zusammenkunft gehabt, in der jeder einen Tanz mit Text gemacht hatte. Diese wurden dann Schritt für Schritt mit allen geübt. Es wurde beschlossen es am Sonntagmorgen in einem Stück hintereinander als einen großen Tanz auszuführen. Erst wurde mit dem Singen der Tagesstimmung begonnen, übergehend in das Singen von einzelnen Farben. Danach konnte der Tanz beginnen. Erst waren die Modelle der Himmelsrichtungen an der Reihe. Der Akteur setzte sein Modell an einen geeigneten Platz und sagte, was sie oder er dem Ort wünschte. Danach tanzte er vor und sprach sein Gedicht. Die ganze Gruppe tanzte noch dreimal in dem großen Zirkel um die Modelle herum, wonach der nächste kam. Nach den Himmelsrichtungen folgten die Sternbilder. Als diese alle gesetzt waren, wurde zum Abschluss die Farbe mauve gesungen, die ganz besonders öffnend und verbindend wirkt.
Während der Ausführung passierte in der Ätherwelt enorm viel. Einige Teile wurden von einem starken Wind begleitet, einige von uns nahmen das Entstehen einer Lichtsäule wahr und wieder andere Musik oder farbige innere Bilder. Es war ein beeindruckendes Ereignis, wobei die verschiedenen Erfahrungen einander stark erfüllten. Allgemein herrschte ein großes Gefühl von Sinnhaftigkeit.
Anfangs fiel mir vor allem das etwas Unwirtliche sowie die unfreundliche Bewölkung auf, die sich für mich kalt und schwer anfühlte. Während des Tanzes fühlte ich eine neue Art Wärme aus dem Inneren heraus entstehen, die die Wolken und die Umgebung angenehmer machte. Viel wirre Geräusche, die ich in der Natur um mich herum wahrnahm, machten freudigen Klängen Platz. Merkbar war für mich auch das Ringen in mir selbst zwischen geordnetem Denken und den Trieben und Urkräften, die nach oben kommen wollten. Dieser Streit hat sich auch an diesem Ort in Form des Kampfes konzentriert, der durch das Denken extrem gut durchorganisierten, aber den Tod fürchtenden Römern und die gern im Kampf sterbenden, unorganisierten, mutigen, wilden Germanen. Es war alles fühlbar. Womöglich wird auch durch die berüchtigte Opposition von Pluto und Saturn der innere Kampf in mir verstärkt, als ob gesagt wurde: „Wenn du wirklich etwas an diesem Ort willst, musst du selbst aus diesem Ringen herauskommen und in Frieden mit dir selbst sein. Vorher wirst du hier nichts wirklich Fruchtbares tun können.“ Wundersam genug fiel nun auch noch das Sternbild des Zirkels mit diesem Ringen zusammen, der für mich auch mit dem Setzen von Grenzen zusammenhängt. Meiner Meinung nach ist dies ein wichtiges Thema unserer Kulturperiode. Der Zirkel gibt dem Menschen die Möglichkeit sein Ich zu entwickeln und sich selbst dadurch als ein freier und bewusster Mensch über die Erde zu bewegen.
Zum Abschluss: Zusammenfassend ist dies eine Art der Arbeit, die mir viel Befriedigung gibt. Dies hat sicherlich mit der direkt fühlbaren Interak-tion mit der Natur zu tun. Dazu kommt noch, dass der Landschaftstempel nun mit einem künstlerischen Prozess und Menschenliebe gestärkt ist. Etwas, worauf die Natur deutlich fühlbar wartete. Lebendige, soziale, organische Kunst nährt die Seele; es schlummern viele künstlerische Talente in jedem Menschen, die traurigerweise kaum in der heutigen Zeit angesprochen werden. Ich bin überzeugt, dass jeder Mensch mit einem gesunden Menschenverstand ähnliche Arbeit tun könnte.

Empfohlene Literatur:
- R. Speckner und C. Stamm, Das Geheimnis der Externsteine, Bilder einer Mysterienstätte, Urachhaus Verlag 2001
- N. de Jong, Esoterisches Christentum bis heute, Rune Verlag 1999, wird ins Deutsche übersetzt
- A. Wouters v. Weerden, Zwischen Wotan und Widar, Freies Geistesleben 1997

 

Anmerkungen:
1. Durch diese Einweihung befreite sich ihr Lebensleib vom physischen Leib und ging mit der Seele und dem Geist mit, was normalerweise während des Schlafes geschieht. So konnte man bewusst die Lebens-, Seelen- und Geistwelt betreten.
2. Die Wahrnehmungen vor Ort von Nicolaas deuten darauf hin, dass bis heute die (Nach)wirkungen deutlich spürbar sind.
3. Das riesige Hermann-Denkmal in der Nähe gedenkt dieser Schlacht, in der drei römische Legionen unterlagen.
4. Geschehnisse in der geistigen Welt spielen sich schließlich auch auf der Erde ab, aber nicht als exakte Analogie; es hängt viel von der menschlichen Entscheidung ab. Dies gilt immer mehr für die Zukunft. In der Nibelungensage spielen Götter- und Menschenwelt jedoch noch stark ineinander. So wird z.B. erzählt, dass Wotan Loki dazu angestiftet hat dafür zu sorgen, dass sich Siegfried in Kriemhilde verliebt.
5. Jeder Kontinent hat seinen eigenen zentralen Planetenprozess, der seine Kultur impulsiert. In Europa hat sich dieser vermutlich einst vom Olymp zu den Externsteinen verlagert.

aus Bruisvat 8, Herbst-Winter 2002.

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