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Gedanken über
die jedes Jahrhundert wiederkehrenden Verhaltens-muster im Wellengang
der (Kunst-) geschichte seit der Renaissance
von Marc van Delft
Marc schrieb vor einiger
Zeit ein Buch über die Zeit, in der Steiner lebte (1861-1925),(1)
über das fin de siècle, die Bel epoque und die Steinergeneration
(zwischen 1860 Geborene, die zwischen 1880 und 1915/1925 wirkten). Es
war ihm und anderen dabei aufgefallen, dass die Zeit zwischen ca. 1880-1915/1925
eine unerkannte Blüteperiode für die Kunst und Kultur war und
dass dieser Zeitraum genau mit der Zeit zusammenfiel, in der Steiner lebte
und wirkte. Auffallend ist der enorme Reichtum, die Kreativität und
Originalität dieser Zeitepoche und außerdem der spirituelle
Gehalt der vielen Kunst- und Kultur-formen. Es geht um Strömungen
wie die Spätromantik, Impressionismus, Expressionismus, Folklorismus,
Primitivismus, Jugendstil, Symbolismus, Russische Ballettmusik, Gedichte-illustrationskunst
und ferner Pointilismus, Kubismus etc.. Auch in der Wissenschaft finden
wir eine Häufung von großen Genien, besonders in der Zeit vor
dem 1. Weltkrieg.
Er hat inzwischen wieder einen neuen Gedanken oder Vermutung über
Gesetzmäßigkeiten in der Geschichte bekommen.(2)
Dreifache Gesetzmäßigkeiten
in einem Jahrhundert
Es tut sich ansehen ob es bestimmte,
sich wiederholende Gesetz-mäßigkeiten in einem Jahrhundert
gibt. Die Zeiten um 1500, 1600, 1800 und 1900 (nur um 1700 herum kann
ich dass nicht evident entdecken, darauf gehe ich später ein) sind
Perioden von großem kulturellen Wachstum, schäumenden, neuen
Ideen und Entwicklungen, spirituellen (und religiösen oder mystischen)
Impulsen, progressiven Entwicklungen etc..
- um 1500: Die Zeit von Leonardo, Raffael und Michelangelo
- um 1600: Christian Rosenkreuz und die ‚Chymische Hochzeit’;
in Italien: Die großen Madrigalisten (Gesualdo, Marenzio, Monteverdi),
die venetianische Schule von Mehrchore (Gabrieli) und Gabrielis glänzende
Blaserlieder, die frühe Oper (Monteverdi- Orfeo, 1607); in England:
Die Blütezeit Elisabeths der Großen, die englischen Madrigalisten
wie Weelkes, Byrd u.v.a. und der größte Dramatiker aller Zeiten:
Shakespear (!!!)
- um 1800: Die französische Revolution und Napoleon, der die Republik
und die Gesetze für gleiche Rechte bringt. Die Zeit von Goethe, Schiller,
Novalis, Mozart, Haydn, Beethoven, die Wiener Klassiker, die deutschen
Idealisten (Fichte, Hegel, Schelling, u.a.), die großen romantischen
Maler wie Caspar David Friedrich, Schinkel und natürlich Turner;
auch entwickelt Hahnemann die klassische Homöopathie ! Kurz gesagt:
Es ist der spirituelle Impuls, an den sich Steiner mit seiner Anthroposophie
anschließt (Fichte kam auf den Terminus ‚Anthroposophie’)
- um 1900: Steiner, Debussy, Horta, Jugendstil, Symbolismus, Impressionis-mus,
Expressionismus, Spätromantik, Folklorismus, das Entstehen der Theosophie
und der Anthroposophie, Couperus, van Eeden (NL), die 80er, Gaudi, Ravel,
Strawinskys frühe Ballette, das russische Ballett, Diaghilew, etc..
Ich kam damals auf Folgendes: Man kann ein Jahrhundert in drei Teile von
3 x 331/3 Jahren (Dauer des Christuslebens auf der Erde) teilen oder in
drei Generationen.
Ein neues Jahrhundert beginnt nicht um das Jahr –00, sonder zwischen
–10 und –20, und zwar begann z.B. das 20. Jahrhundert nach
dem 1. Weltkrieg, das 19. Jahrhundert begann nach der Niederlage von Napoleon
und dem Wiener Kongress 1814/1815, das 18. Jahrhundert, das Jahrhundert
der Auflich-tung begann nach dem Tod von Ludwig XIV im Jahr 1715, das
17. Jahrhundert begann womöglich mit dem Anfang des 30jährigen
Krieges 1618 und das 16. Jahrhundert begann 1517 mit den 95 Thesen, die
Luther an die Kirchentür von Wittenberg hängte. (Siehe die Anmerkungen
und mein Buch über die Kunst-geschichte mit u.a. Zitaten aus ‚Sesam
Weltgeschichte’, die dies bestätigen.)
Wenn man nun sagt: Ein neues Jahrhundert beginnt meistens zwischen –10
und –20, beginnt der zweite Teil zwischen –45 und –55
und der dritte Teil zwischen –80 und –90 (ungefähr!).
Zum Beispiel 1815 – 1848 – 1882 – 1914 – 1945
– 1985 etc. Hypothetisch sollten dann in jedem Jahrhundert drei
Phasen sein, was vielleicht nicht in jedem Jahrhundert so sein muss, aber
wohl öfter vorzukommen scheint.
Nun habe ich dann entdeckt, dass die erste Hälfte von einigen Jahr-hunderten,
die Zeit zwischen ca. –10 /–20 und –50 eine Zeit von
Katastrophen und Stagnation zu sein scheinen, wobei den neuen Entwicklungen
Kriegen oder Diktaturen entgegenstehen. Eine Zeit von Konservatismus und
Rückfall, ein großer Angriff des Bösen auf eventuelle
neue und wichtige Entwicklungen, wobei in einigen Fällen ein spiritueller
Impuls, wie derjenige der Rosen-kreuzer um 1600 (1615) und der Anthroposophie
(1900–1924/–25) um und nach 1900 stark bedrängt wird.
Das war für die Zeit des katastrophalen und allesverwüstenden
30-jährigen Krieges deutlich (1618–48), der die sich entfaltende
Rosenkreuzerbewegung (1615) im Keim tötete und beim ersten und zweiten
Weltkrieg (1914–45), die die aufblühende Anthroposophische
Bewegung (1900–25) zunichte machte. Steiner verwies auch auf diese
Übereinstimmung. Die Jahreszahlen sind frappant:1618–48 und
1914–45.
Dasselbe spielte sich in anderer Form jedoch im 19. Jahrhundert ab. Der
idealistische, brausende Impuls der französischen Revolution und
der Gesetzen des Napoleon, die er in ganz Europa einführen wollte
wurden durch die konservative Metternichperiode nach dem Wiener Kongress
von 1814 vereitelt und bis zu der Revolution von 1848 herrschten wieder
konservative Könige und Regime in Europa. Jede Form von Repuklikanismus
und dergleiche wurde durch Zensur und Geheimpolizei unterdrückt.
In der Kunst reagierte man indem man sich in das Kleine und Intime zurückzog.
Im Jahr 1815 beginnt dann auch die kleinbürgerliche und enge ‚Biedermeier’-Zeit.
In derselben Zeit beginnt sich auch der ‚Realismus’ (später
Naturalismus) zu entwickeln, in diesem Zusammenhang als eine Art von dunklem
Materia-lismus in der Kunst zu verstehen (z.B. die Schule von Barbizon
und später die Haager Schule: Roelofs, Maris u.a.). Die zweite Hälfte
eines Jahrhunderst zwischen –45/–50 und –75/–90
scheint oftmals mehr eine Periode der Herstellung, Entspannung und Vorbereitung
auf die brausende Periode zu sein, die oft nach –75/–80 anbricht.
So eine zweite Periode beginnt zum Beispiel im 17. Jahrhundert nach 1648,
nach dem Frieden von Münster, dem Ende des 30-jährigen Krieges,
im 19. Jahrhundert nach der Revolution und der zweiten Republik von 1848,
im 20. Jahrhundert, nach dem Ende des 2.Weltkriegs oder vielleicht auch
1953, dem Tod von Stalin... .
In zwei Jahrhunderten kann man den Anbruch der dritten Periode, eine hoffnungsvolle,
brausende Periode von gärenden, neuen Ideen und Impulsen im selben
Jahr nennen: Im 18. Jahrhundert im Jahr 1789 mit der französischen
Revolution(auch fällt der Beginn der Präromantik in der Literatur
und Malerei in diesen Zeitraum) und im 20. Jahrhundert: 1989 der Fall
der Mauer, das Ende der kommunistischen Diktatur und das Ende der Angst
vor einem möglichen Atombombenangriff der Russen... . Das Antreten
Gorbatschows mit seiner hoffnungsvollen glasnost und perestroika im Jahr
1985 zeigte schon tatsächlich einen Umschwung an. Auch der französischen
Revolution geht ein derartigen Geschehen voraus: die amerikanische Revolution
im Jahr 1783 !
Im 19. Jahrhundert beginnt die dritte Periode auch zwischen –80
und –90, denke ich. Der neue Führer bringt im Jahr 1880 einen
neuen Elan in die romantische Literatur mit den ‚80ern’ wie
Willem Kloos, Frederik van Eeden, Herman Gorter (NL) etc. Der späte
van Gogh, der Jugendstil entstanden um 1890. Rimskys ‚Sheherazade’,
Fauré’s Requiem sind auch aus den 80er Jahren und bestimmte
Werke von Nietzsche etc. Der Impressionismus in der Malerei stammt aus
dem Jahr 1872 und in der Musik beginnt das Ende der '90er’ Jahre
mit der Prelude 'l’Après midi’ von Debussy.
Deshalb scheint es so zu sein als ob in einigen Fällen diese Rhythmen
in verschiedenen Jahrhunderten zu finden sind.
Um die Jahrhundertwende 1700 kann ich nichts finden. Ich kann hier meines
Wissens nach keine evidente und große (und spirituelle) Blütezeit
entdecken... . Die große Blütezeit scheint da eher eine Generation
später stattzufinden, nämlich zwischen 1715 und –50, die
Spätbarockperiode von Bach, Händel, Vivaldi und Rameau. Es scheint
wohl so als ob hier alles um ein Drittel nach hinten verschoben ist (siehe
weiter unten). Obwohl der Barock bis ca. 1750 andauert, beginnt die neue
Zeit auch hier um 1720 mit den klassischen Symphonien von Sammartini und
dem Rokkoko/frühklassische Musik von Stamitz, den Bachsöhnen
und den Mannheimers etc. .
Eine Liste der Genies, die in der Steinerzeit um 1860 herum geboren sind,
enthält Namen wie Steiner, Mahler, Debussy, Gaudi, Horta, Couperus,
Van Eeden, Mucha, van Gogh, Sibelius, R. Strauss, Puccini, Ravel, van
der Velde, Carlos Schwabe, Klimt, Tiffany etc.
Steiner sagt, dass die spirituellen Bewegungen um 1600 und 1900 die Rosenkreuzer
und die Anthroposophie durch die durch böse Mächte hervor-gerufenen
Kriege zunichte gemacht wurden, der 30-jährige Krieg und der 1. und
2. Weltkrieg. Während beiden Kriegen wurden die Kultur und die Städte
Mitteleuropas, Deutschlands, wo der spirituelle Impuls entstand, total
vernichtet. Nach dem 30-jährigen Krieg war die deutsche Bevölkerung
z.B. von 22 auf 10 Millionen Menschen dezimiert !
Bis jetzt habe ich die Frage der Zeit um 1700 und inwiefern man hier von
einer Blütezeit sprechen kann, noch nicht behandelt, aber allmählich
bin ich zu einer Vermutung gekommen wie man diese Zeit deuten könnte.
Die scheinbare Lähmung
im 18. Jahrhundert
Schauen wir auf die Musik-geschichte
in der Zeit nach 1700, sehen wir, dass die direkten Vorläufer der
Bachgeneration schon um 1700 das musikalische Idiom des Spät-barocks
schaffen, worauf Bach und seine Generation Barockgrößen weiter
baut. Der Komponist, der das eigentliche Spätbarock-idiom schafft,
ist Arcangelo Corelli mit seinen Trio- sonaten. Er lebte 1653–1713,
also ein echter 'Jahrhundertwendekomponist’, ebenso Guiseppe Torelli
(1658–1713), der den Spätbarock-Konzerttyp kreierte. Henry
Purcell schrieb seine berühmte und sehr rührende Oper 'Dido
und Äneas’ ebenfalls in einer ‚fin di siècle Zeit’
nämlich 1689. Purcell lebte von 1658-1695, also geboren um –60
!Die direkten Vorläufer von Bach sind z.B. Buxtehude (1637–1707),
Krieger (1649–1725), Kuhnau (1660–1722), Zachow (1663–1712),
Pachelbel (1653–1706). Man könnte also sagen: Um das fin de
siècle von 1700, rauscht es von einer Barockmusik, die ständig
dabei ist in große Höhen zu steigen, aber die eigentlichen
Höhepunkte (und Endpunkte) gibt es dann etwas später und zwar
Bachs ‚Toccata in D moll’ ca. 1709, Händels 'Wassermusik’
ca. 1717, Bachs 'Brandenburgische Konzerte’ 1721, 'Das Wohltemperierte
Klavier I’ 1722, die 'Johannespassion’ 1724, die 'Vier Jahreszeiten’
von Vivaldi 1725, Bachs 'Matthäuspassion’ 1727 oder 1729. Im
Jahr 1739: 'Saul’ und ‚Israel in Ägypten’ von Händel
und 'Dardanus’ von Rameau, Händels 'Messias’ 1742.
Nach 1720 hatten Bach und Händel jedoch regelrecht zu kämpfen
mit der Veränderung des Geschmacks und der Verkennung ihres Spätbarock-idioms.
Händel musste mit seiner Barockoper nach der ‚Bettleroper’
1728 aufhören und sich auf Oratorien verlegen (Konzession an den
populären Geschmack), Bach wurde in seiner Zeit (nach 1720) überhaupt
nicht ernst genommen, als ‚gelehrt’ und ‚konservativ’
abgetan während seine Söhne, die im Rokokostil komponierten,
viel mehr Erfolg hatten ! Ungeachtet der Gegen-wirkung des ‚Zeitgeists’
machten Bach (und seine Mitte-Spät-Barock-Kollegen), genau wie Vaughan
Williams oder Sjostakowitsj im 20. Jh., mit ihren spätromantischen
Sinfonien ungestört weiter mit dem Komponieren der Musik, die sie
als die einzig richtige ansahen, weil sie als Frucht einer spiritu-ellen
und inspirierten Blütezeit entstanden war, die sie fortsetzen wollten.
Auf die Frage, worin das Spirituelle und die Blüte der Kunst, Kultur
und Musik um 1700 gelegen haben könnte (es kam schon in der Spätbarock-musik
etwas später erst überhaupt zu seinem Recht...), sollte man
vermuten, dass die Strömung des Pietismus, aus der Bach hervorkam,
vielleicht die spirituelle Bewegung um 1700 war, die Bach zu seiner ungeahnten
Höhe, religiösen und tiefsinnigen Werken wie die ‚Matthäuspassion’
inspirierte. In der Enzyklopädie steht über den Pietismus: ‚Glaubensrichtung
im Protestan-tismus, die sich im 17. Jh. als Reaktion auf die erstarrte,
kirchliche Orthodoxie entwickelte und gekennzeichnet war durch ein Streben
nach praktischer, ‚wohlfindliche’ Frommheit und fortgehender
Reformation, gepaart mit Weltverachtung.’ (vielleicht besser als
‚Mystik’ zu bezeichnen. Ferner wird Halle, der Geburtsort
von Händel, der Mittelpunkt des extremen Pietismus genannt. In derselben
Gegend wohnte Bach ! Man kann dann die spirituelle Strömung des Pietismus
um 1700 als denjenigen Strom sehen, der schließlich zu einem der
Höhepunkte der Weltmusikliteratur führte: Die religiöse
Musik von J.S.Bach... .
Man könnte dann die nüchtern-pragmatische, antispirituelle und
antireligiöse, auf die ‚Wissenschaft’ gerichtete Strömung
der ‚Aufklärung’ wie die konservativ-düstere und
alle Spiritualität und künstlerischen Anwand-lungen zunichte
machenden Antiströmung der Zeit von 1720–50 sehen, die die
Ankunft des Rokoko, die Lichtheit, Luftigkeit und Oberflächlichkeit
in der neuen Musik der vorklassischen Zeitperiode bewerkstelligt. Dadurch
werden die tiefreligiösen und tiefdurchfühlten, kirchlichen
Meisterwerke von Bach in seiner Zeit nicht verstanden und ein Jahrhundert
lang vergessen. Die ganze Musik Bachs ist zur Vermehrung von Gottes Ruhm
geschrieben. Soli Deo Gloria ! Diese tiefdurchlebte Religiösität,
die wir auch bei einigen anderen Spätbarockkomponisten finden, macht
für einfache, fröhliche Melodien und vulgären Volkshumor
Platz. Wir sehen hier eine Übereinstimmung mit dem 20. Jahrhundert:
Kurz vor dem 1. Weltkrieg finden wir die ‚Zeitperiode der Mysterien-dramen’,
z.B. der vier Mysteriendramen von Steiner (1910–13), Debussy (Das
Martyrium von St. Sebastian) und Bartok (Herzog Blaubarts Burg), beide
aus dem Jahr 1911. Im Symbolismus finden wir viel mystische und theosophische
Themen. Skriabin versuchte in seinem 'Poem l’Extase’ und in
‚Universe’ (posthum) z. B. die ultimative, religiöse
Extase zu erreichen. Die Religiösität finden schon seit Faurés
Requiem und Wagners Parzifal, die die Bühne zum Tempel umformen wollten.
Steiners erstes Goetheanum musste die ideale Hülle der Mysteriendramen
werden. Der Goetheanum-Impuls kommt also überhaupt aus diesem Mysteriendrama-Impuls
aus der Zeit um 1900 !
Nach dem 1. Welkrieg bekommen wir die ‚neue Sachlichkeit’
und man will nichts mehr von Mysteriendramen wissen. 1922/23 wird Steiners
Mysterientempel, das erste Goetheanum verbrannt. Nüchternheit und
Sachlichkeit führen den Ton an; harte Sachlichkeit bei Bordewijk,
z.B. eine Novelle über Autorennen. In der Musik von der ‚Gruppe
der Sechs’ finden wir dieselben oberflächlichen Spaß
wie in der Musik des Rokoko und der Präklassik: ‚Musik für
den ganzen Tag’ ruft Cocteau aus. ‚Weg mit Debussys mystischen
Pedaleffekten, wir brauchen eine Alltags-musik.’ Wir bekommen die
Spaßmusik von dem späten Satie, Strawinsky, Milhaud, Poulenc,
Ibert, Francaix, etc. Wir können darin eine Übereinstimmung
zwischen der tiefen Religiösität von Debussys ‚Martyrium’,
Faurés ‚Requiem’ der theosophischen Extase Art déco
Gebäude
von Skriabin und Bachs ‚Matthäuspassion’,
gegenüber der fröhlichen und oberflächigen Luftigkeit von
Poulenc und dem späten Satie und der Rokokomusik aus dem 18. Jh.
Auch in der Barockarchitektur werden um 1700 und in der ersten Hälfte
des 18. Jh. einige Meisterwerke gebaut wie der Trevibrunnen in Rom, das
überwältigende Kloster Melk, die Barockbauten von Balthasar
Neumann (u.a. die Residenz in Würzburg), die Karlkirche in Wien,
die St. Pauls Cathedral in London, die Kirche der Benediktinerabtei in
Weltenburg (mit der überwältigenden Kuppel im Inneren), die
unglaublich schöne Bibliothek der Hofburg in Wien, das Belvedere
in Wien, der Zwinger in Dresden, die Barockgiebel des großen Marktes
in Brüssel etc. .
Deutschland als Wiege
?
Auffallend ist die Tatsache,
dass gerade jedes Mal in Deutschland oder Mitteleuropa um die Jahrhundertwende
eine mystische, spirituelle Bewegung in Gang kommt, die dann in der darauf
folgenden Periode, zwischen –10 und –20 wieder zunichte gemacht
wird. Um 1600 waren das die Rosenkreuzer, um 1700 die Pietisten und Bachs
religiöse Musik, um 1800 die deutschen Idealisten Fichte, Goethe,
Schelling (und die Homöopathie von Hahnemann), um 1900: Steiner und
die Anthroposophie.
Sie wurden hintereinander durch den 30-jährigen Krieg, die französiche
und englische, materialistische Aufklärungsbewegung, die Metternich-Diktatur,
den 1. und 2. Weltkrieg und die Diktaturen von Hitler, Lenin, Stalin,
Franco, u.a. von weiterer Entwicklung abgehalten.
Man kann sich nun fragen inwiefern sich gerade zum jetzigen Zeitpunkt
in Deutschland oder Mitteleuropa noch eine neue, spirituelle Bewegung
entfaltet. Auffallend ist, dass in Deutschland 'Die Grünen’
eine wichtige Partei sind !
Die Zeitperioden um eine Jahrhundertwende scheinen dann auch wohl meistens
ganz spirituelle Zeiten zu sein, jedes Mal wieder.
Zum jetzigen Zeitpunkt ist
das dann vielleicht die ‚New age Bewegung’, aber auch da ist
so eine enorme Vielfalt, dass alles möglich ist, sowohl im guten
als auch weniger guten Sinn, sodass wir im Moment noch kein Urteil darüber
bilden können. Ik würde sagen, dass die guten, hoffnungs-vollen
spirituellen Impulse außerhalb bei der zur Zeit sehr kleinen anthropo-sophischen
Bewegung zu finden ist, bei der Umweltbewegung, den Grünen, Greenpeace,
Umweltgruppen, Naturmonumenten, der Weltnatur-fonds, die ökologische
Bewegung, alle Umweltgruppen, die Anti-Globalisten, bei amnesty international,
vielleicht auch den grün-links-Parteien, in den Reform- und Naturkostbewegung,
bei der Naturheilkunde, den klassischen Homöopathen, Akupunkturanwendern,
etc. und ferner bei den Astrologen, alternativen Therapeuten, Aurareader,
Reinkarnationstherapeuten, Zeit-schriften wie ‚Unkraut’, Jonas,
Dreigonal, Frontiermagazin u.a.. Innerhalb der anthroposophischen Bewegung
finden wir die Zeitschrift ‚Bruisvat’, die durch Menschen
geschrieben wird, die aus der um 1960 geborenen Generation stammen, was
darauf hinweisen könnte, dass auch hier brausende, neue Ideen geboren
werden. Die genialen Schriften von Nicolaas de Jong (vor allem 'Wissenschaft
anders’) sind vielversprechend und weisen darauf hin, dass in dieser
Zeit brausende, spirituelle Ideen leben !
Vielleicht kommt der Leser/die
Leserin nach Lektüre dieses Artikels noch auf gute Ideen und Beispiele,
die ich dann gerne hören möche !
Marc van Delft ist Komponist
und Phänomenologe in Den Haag, die Niederlände, und gibt Kurse
über phänomenologische Zeiterscheinungen mit Beispielen aus
der Musik- und Kulturgeschichte; siehe auch: www.marcvandelft.nl/menu9.html
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