Zeitschrift

für Transformation

 

 

Die Dreigliederung von einer organischen Siebengliederung aus betrachtet

Lösungsansätze für die Probleme in und ausserhalb der anthroposophischen Bewegung

Von Nicolaas de Jong

Aus der Anthroposophie heraus sind Gedanken für eine Neugestaltung der Gesellschaft entwickelt worden, auf Grund der Einsicht, dass die Gesellschaft ein sozialer Organismus ist, in der ganz klar drei Glieder mit ihren eigenen Merkmalen zu erkennen sind. Die Anthroposophen selbst haben nur wenig davon umgesetzt. Auch ihre eigene Organisation zeichnet sich nicht unbedingt durch eine erneuerte Arbeitsweise aus. Innerhalb des anthroposophischen Feldes gibt es ein zunehmendes Mass von Desintegration, teilweise als Folge der Angriffe von aussen, so wie die Regierungseinmischung bei den Schulen und die Angriffe der Presse gegenüber der Integrität des Stifters, teilweise durch Uneinigkeiten von innen her. Dies hat unterschiedliche Hintergründe.
Die anthroposophische Bewegung únd die Gesellschaft könnten den Dreigliederungsgedanken immerhin noch sehr gut brauchen. Das Arbeiten von einer organischen Siebengliederung heraus bietet dazu neue praktische Möglichkeiten.


“Jetzt muss Anthroposophie getan werden”

Diese Aussprache machte Rudolf Steiner gegen Ende seines Lebens in 1924. Er hatte den Dreigliederungs-gedanken schon ausgearbeitet. Freiheit sollte herrschen im Denken und dem Geistesleben, Gleichheit im Sozialen und in der Politik (Beschlussfassung), und Brüderlichkeit im Ökonomisch-Wirtschaflichen. Dies war eine Konkretisierung und Verdeutlichung der Ideale der französischen Revolution, durch welche Organisationen und schliesslich der ganze soziale gemeinschaftliche Organismus neugestaltet werden kann. Aus einem Teil von enthusiastischen Mitarbeitern ist eine Gruppe für soziale Dreigliederung entstanden, die damit zu arbeiten begann. Jetzt, ungefähr 80 Jahre später, ist nur sehr wenig davon verwirklicht. Es gibt eine grosse Staatseinmischung im Geistigen durch das Zuweisen von Subventionen; im Sozialen und in wirtschaftlichen Angelegenheiten, mit steigender Tendenz zur Verfestigung des Juristischen, durch einen Überfluss von regulierenden Gesetzen. Im Allgemeinen gibt es ausserdem eine einseitige Betonung des Sozial-Ökonomischen, wodurch eine starre Strukturierung die individuelle Freiheit einschränkt.

Auch innerhalb der anthroposophischen Bewegung zeigt sich, dass die Dreigliederung nur wenig zu Stande bringt, es gibt viele Unklarheiten innerhalb der verschiedenen Arbeitsverbände und der Organisation, als Folge unkollegialen Verhaltens, viel Unstimmigkeiten untereinander und oft wird das Arbeitsrecht mit Füssen getreten, alles unter dem Deckmantel des “Heiligen Gedankengutes“. Die Wenigen, die sich noch mit der Dreigliederung beschäftigen, bekommen neben dem regelmässigen organisieren der Zusammenkünfte und Kongresse auch leider nur wenig Konkretes getan. Der anthroposophische Verein selbst wird immer kleiner und zieht kaum noch Jungendliche an.(1) Auf die (karmische) Hintergründe der Vereinskultur wird in einen ander Artikel eingegangen.

Dreigliederung und Siebengliederung

Die schwache Durchsetzungskraft des Dreigliederungsgedankens hat konkrete Ursachen, die nicht oder nur selten in Betracht gezogen werden. Wenn nämlich Gedankengut, geistige Einsicht, so wie dieser Dreigliederungs-gedanken, wirksam auf Erden sein soll, kommt man als Erstes in die Lebenswelt (Ätherebene), wo das Wirkungsfeld der Formkräfte allen Phänomenen zu Grunde liegt. Hier sind organische Kräfte wirksam die das Leben ermöglichen und ihm entsprechende Form geben. Dies betrifft soziale Arbeitsprozesse und Betriebe genauso wie das Entstehen und Wachsen des Menschen, des Tieres und der Pflanze, die allerdings mehr konkret sichtbar sind. Umgekehrt zeigen sich bei menschlichen Organisationen soziale Prozesse, deren Verlauf meist vom Dreigliederungsgedanken betrachtet zu wünschen übrig lassen. Wenn man etwas von diesem Gedankengut realisieren will, dann reicht es nicht aus, dies nur darauf zu pfropfen, man hat zuerst Wirkungen und Prozesse der Organisationen zu ergründen. Und dann zeigt sich etwas ganz Anderes, nämlich dass viele ausgestaltete Organisationen wie Betriebe und Gesellschaften auf eine sechsgliedrige Weise organisiert sind, wobei in den letzten 20 Jahren in Europa eine Tendenz entstanden ist zu einem zentralen übergeordneten Beratungsorgan, womit man experimentiert, in dem alle Gliederungen einer Organisation zusammenkommen (wird auch Mitbestimmungs- oder Betriebsrat genannt). Ein Beispiel zur Initiativentwicklung durch einen Betriebsrat, ist z.B. die zeitliche Einstellung des Fliessbandes bei Volvo in Schweden, bei der die Herstellung eines einzelnen Autos durch ein Team erreicht wurde.

Durch verbesserte Zusammenarbeit in diese Richtung entsteht allmählich eine Siebengliederung innerhalb der Organisationen. Diese entsprechen der siebengliedrigen Organstruktur innerhalb des Menschen, die unsere Lebensprozesse und das dazugehörige Bewusstsein regulieren (dies sind die Milz, Leber, Galle, das Herz, die Nieren, Lungen und Schilddrüsen, wobei das Gehirn die Inhalte dieser Organe als Gedanken spiegeln kann). Dies ist auch nicht ungewöhnlich wenn eine Organisation sinnvoll arbeitet und auch der geistigen Welt gegenüber offensteht. Dann kann man Schritt für Schritt lernen wahr zu nehmen, dass eine Gruppe von Menschen die für eine bestimmte Idee stehen, inspiriert, gelenkt und begleitet werden durch ein Gruppenwesens, welches in christlich esoterischem Terminus Erzengel genannt wird. Auch dieser hat seine Organe innerhalb der Organisation.

Skizziert sind diese Organe wie folgt zu erkennen:

> Eine Person oder Gruppe von Menschen die sich mit Forschung beschäftigt, die Verbindungen legt zwischen Erkenntnis und Erfahrungen die aus der Vergangenheit kommen und durch konkrete Fragestellung und Unter- suchung Möglichkeiten für zukünftige Entwicklungen schaffen kann. Diese Fragen können sehr nahe liegen, nämlich im Gebiet auf dem gearbeitet wird; im Alltagsleben, im Arbeitsleben usw. In einem Betrieb gleicht dies der Forschungsabteilung. Im astrosophischen Terminus ist das die Saturn-Gliederung; in der Physiologie innerhalb des Menschen der Milzprozess.

> Eine Person oder Gruppe von Menschen die sich mit der Ideenbildung bei auftretenden Phänomenen und Prozessen innerhalb und ausserhalb der Organisation beschäftigt. Die versucht, diese Phänomene zu erklären und innerhalb der Organisation anzuwenden, wo Handlungsbedarf ist. Dies wird öfters angedeutet mit dem “Denktank” und der Planung. In einem Betrieb ist es meist die Geschäftsführung die den Kurs bestimmt und die Entschlüsse fasst. Hierzu gehören aber auch Unterrichtsaktivitäten, die sich aus den Resultaten der Forschung und der Praxis heraus entfalten. In geistigem Sinn ist dies auch das Begleiten des Schulungsweges. Im astrosophischen Terminus ist das die Jupiter-Gliederung; in der Physiologie innerhalb des Menschen der Leberprozess.

> Eine Person oder Gruppe von Menschen die Initiativen ergreifen, diese auch bei anderen Teilnehmern wachrufen. Um diese verwirklichen zu können, helfen Sie auch den Raum dafür zu schaffen oder Wege dafür zu suchen. Dies wird in Betrieben meist die Managerebene genannt. Bietet aber auch Möglichkeiten zur Entfaltung von Initiativen ( und führt nicht nur aus was aufgetragen wird).Im astrosophischen Terminus ist das die Mars-Gliederung; in der Physiologie innerhalb des Menschen der Gallenprozess.

> Eine Person oder Gruppe die die Kommunikation innerhalb der Organisation betreibt, die hilft zu Vermitteln, bei Problemen untereinander und Sorge trägt für den reibungslosen zwischen-menschlichen Austausch; die Aufzeichnungen eventueller Beschlüsse der verschiedenen Gliederungen festhält und auch die Geldströme einsichtig und transparent macht. Sie sorgt für ein gutes und gesundes Betriebsklima. In Betrieben meist repräsentiert durch die Verwaltung und das Sekretariat. Hier kann aber auch eine aktivere soziale Rolle angedacht werden, die eine Betonung auf der künstlerischen Seite hat, die den Menschen helfen kann ihre Emotionen zu erkennen,wodurch die Kommunikation einfacher verlaufen kann. Im astrosophischen Terminus ist dies die Venus-Gliederung; in der Physiologie innerhalb des Menschen der Lymphe/Nierenprozess.

> Eine Person oder Gruppe von Menschen die die Kontakte mit anderen innerhalb und ausserhalb der Organisation, zum Beispiel durch Produktverkauf, Vermittlung und Einkauf erledigen. Begegnungen begleiten und für einen reibungslosen Informationsstrom sorgen. Hier werden die Kontakte innerhalb eines sozialen und ökonomischen Netzes unterhalten. In Betrieben wird dies meist vom Ein- und Verkauf, wie auch von der Marketing- und Werbeabteilung (PR) abgedeckt.
Im astrosophischen Terminus ist das die Merkur-Gliederung; in der Physiologie innerhalb des Menschen der Lungenprozess.

> Verschiedene Einheiten der Produktion; das können Initiativen innerhalb dieses Organisationsverbundes sein, die eine Ware produzieren (die ‘Arbeitsstelle’); Privatinitiativen, Betriebe, Kooperationen, aber auch Haushalte, Familien, Wohngruppen, damit diese mit gleichberechtigter Sorgfalt im ökonomischen Leben stehen. Also Produzent und Konsument zusammen. Im astrosophischen Terminus ist das die Mond-Gliederung; in der Physiologie innerhalb des Menschen die Bauchspeicheldrüse und die Fortpflanzungsorgane.


Neu hierbei ist das im Zentrum stehende Beratungsorgan:
> Eine Ebene worin Vertreter aller sechs anderen Gliederungen sitzen; hier “klingt” was in den einzelnen Organen lebt, es werden Entschlüsse geformt und Richtungen bestimmt. In einem Betrieb wird dies meist Betriebsrat genannt; und ungeachtet dessen was hier klingen darf, was in den verschiedenen Gliederungen lebt, hat heutzutage hauptsächlich die Direktion, eventuell auch Kreise der Aufsichtsräte und Aktieninhaber, die ausschlaggebende Stimme bei den Beschlüssen. Dies muss sich verändern. Im astrosophischen Terminus ist dies das Sonnenorgan, in der Physiologie innerhalb des Menschen das Herz.

So entsteht von den Organen aus betrachtet ein klares Bild einer organischen Dreigliederung, vorausgesetzt dass man den Sinn erfahren, und auch damit arbeiten will (siehe Grafik 1; vergleiche auch mit Grafik 2).

Dieses kann ein sozial atmendes Ganzes werden, mit dem einerseits mehr auf das Geistige gerichteten Bereich, Forschung und Ideenbildung (ein mehr innerliches Geschehen); andererseits der Bereich der für ein gesundes inneres Klima sorgt, wo Begegnungen stattfinden können; verbunden mit dem ganz in der Mitte stehenden Zentralorgan (Begegnung, Austausch und Beratung, auch mit Organisationsformen ausserhalb das Verbandes). Und der mehr ökonomische bzw. wirtschaftliche Bereich, der die Kontakte mit der Umwelt und anderen Initiativen und Arbeitsverbänden aber auch die Produktion, die mit der Aussenwelt Verbindung hält, bildet (auch Kurse und Dienst-leistungen sind Produkte). Dies kann ein mehr auf den Geist gerichtetes Ganzes werden, wenn das Zentralorgan mehr und mehr selbständig wird und auf die Dauer die Aufgaben der Direktion übernimmt – dafür gibt es schon unter-schiedliche gesellschaftliche Signale. Hier soll angestrebt werden, dass die anteiligen Vertreter ein vollständig gleichwertiges Stimmrecht erhalten. Hier soll zum Ausdruck kommen, was in den einzelnen Gliederungen wirklich lebt; in einige Fällen sollten hier wichtige Entschlüsse gefasst werden, oder auch reifen können. Wenn man sich auf den begleitenden Erzengel einlässt und Vertrauen untereinander entwickeln lernt, können auf die Dauer einzelne Gliederungen eine eigene Beschlussbefugnis bekommen (Mandate), vorausgesetzt das dadurch die anderen Gliederungen nicht direkt benachteiligt werden. Mögliche benachteiligende Beschlüsse sollten dann besser zusammen gemacht werden.

Dieses Zentralorgan wird von einer oder mehreren Personen eines jeden Bereiches (oder Organes) geformt.

Grafik 1. Die Siebengliederung innerhalb einer Organisation,
gegliedert nach drei konzentrisch geordneten Bereichen (Dreigliederung).
Im inneren Zentrum das ‘Herz-oder Sonnenorgan’.

Hier prallt man selbstverständlich im Gesellschaftsleben auf so manches praktische Problem, denn das ökonomische Leben ist durchzogen von den Bedürfnissen, Trieben und Wünschen von sowohl den Produzierenden als auch den Konsumierenden, man ist also von der Selbstlosigkeit weit entfernt. Brüderlichkeit sollte erstrebenswert sein, ist aber bis heute leider kaum erreicht. (2) Heutzutage sind Betriebe oft barbarisch in ihrem Kampf ums Dasein, beinahe alles ist gestattet um zu expandieren, entgegen menschlichen Werten und Normen. Ein Streben nach intensiver Zusammenarbeit zwischen Betrieben ist erst keimhaft anwesend. Alles deutet darauf hin, dass das soziale Leben nur dann neu organisiert werden kann, wenn mehr und mehr Menschen beginnen ihre individuelle Entwicklung wieder ernst zu nehmen. Das bedeutet auch sich Selbst und Andere als sich entwickelnde Geistträger zu erkennen und danach mit Verständnis zu handeln. Dann bieten sich allmählich wiederum Möglichkeiten mit begleitenden Engelwesen in Kontakt zu treten, gerade auch bei Organisationen.

Eine so einsichtig gemachte Dreigliederung durch die Siebengliederung hindurch ist ausdehnbar auf alle Ebenen des Zusammenlebens. Vorallem wenn die Politik das Feld von Begegnung und sozial-gesellschaftlichen Bereichen wird und nicht so sehr von Gesetzesgebung. Gesundes Vertrauen muss wieder in geistige Entwicklung und Begleitung entstehen, wodurch wegweisend sinnvolle Richtungen eingeschlagen, und nicht durch überwiegend wirtschaftliche Interessen bestimmt werden. Ein so gegliedertes Zusammenleben kann wie folgt aussehen:


Um dieses erreichen zu können, sollte:

- individuelle Entwicklung wieder zum Bildungsprinzip werden. (3) Auf dem geistigen Gebiet heisst dies das Respektieren der Freiheit des Menschen um eigene Wege zu wählen; unter anderem Freiheit von Meinungs-äusserung, Unterricht, Heilkunst etc. Konkret sollte es sich so auswirken, dass ganz andere Kunst- und Wissenschaftsbetätigungen aufblühen und umgekehrt viele der heutigen Professoren überflüssig wären.
- Politik zum gleichwertigen Begegnungsfeld werden, nicht der Boden für Lobbys und Interessengemeinschaften. Dies beinhaltet eine Verstärkung der Grundrechte auf dem Gebiet von Umwelt, Sicherheit, Fürsorge, Ausbildung und Einkommen, zur gleichen Zeit Verabschiedung von inhaltlich zu einschränkender Gesetzgebung und damit die Rolle des Staates im Privatleben der Bürger. (4)
- das wirtschaftliche Leben Schritt für Schritt altruistisch gemacht werden. Das soll, obwohl nicht einfach zu realisieren, beinhalten:
* das Enteignen von Grund und Produktionsmitteln, womit die Entwertung des Geldes verbunden ist, dies nicht im Sinne von Marx (Verstaatlichung), aber die Dinge so zu regeln dass man zum Beispiel Grund verwaltet und keine absoluten wirtschaftlichen Rechte mehr davon ableiten kann.
* Verstärkte Vereinigungen zwischen Gruppen oder Einheiten von Produktion und Konsumption.
Das Letzte könnte stark zur Vermeidung unserer Umweltverschmutzung beitragen (nicht jeder braucht eine eigene Waschmachine, TV, Auto usw.).

Es ist wichtig sich zu realisieren dass die Dreigliederung zusammen wirksam ist und keine der Gliederungen für sich alleine steht. Zum Beispiel: die Stärkung der Grundrechte ist doch eine Bedingung für die Konkretisierung der Wahlfreiheit und die Förderung von wirtschaftlichen Zusammenarbeitsformen.

Bezüglich zu dem was oben über die Siebengliederung gesagt wurde: es ist und bleibt charakteristisch, dass die heutige Führung von grossen Menschengruppen durch eine Elite, die sich hauptsächlich selbst aufrecht erhält, in Frage gestellt werden muß. Gerade desshalb müssen wir lernen, innerhalb der sozialen Verbände in denen sich jeder mehr oder weniger befindet, mehr Bewusstsein an den Tag zu legen.


Kelch oben: Geistimpuls
Mitten: Begegnung im Sozialen
Unten: Ungeformter Wille strebt zum Licht empor


Grafik 2: Das Geistige durch die Welt des Sozialen


Karma, ”das heisse Eisen”

Hier beschriebene Zusammenarbeitsverbände haben eine grosse Kraft in sich, vorallem wenn daraus Netzwerke entstehen, die der heutigen Demokratie einerseits und wahrscheinlich auch vielen anderen auf den Geist gerichteten Organisationen andererseits wieder neues Leben einhauchen. In gewissem Sinne muß heute wieder an der Basis angefangen werden und Überlegungen aus dem Herzen heraus geformt werden. Das allumfassende Wesen von “Sophia”, das mehr und mehr zerbröckelt, durch das im Kern meist der Geist verschwindet, kann dann wieder durch gegliederte Lebenskräfte von unten her, genährt durch persönliche Initiativen zum Leben erweckt werden und mit der Arbeit im Irdischen aufs neue organisiert und realisiert werden. Auch wirkt die Schaffung von Arbeitsverbänden, worin jeder innerhalb einer organischen Gliederung seiner eigenen Initiative Form geben kann und darf, stark Karma-ordnend, sodass man alleine von dieser Sicht heraus versuchen sollte solche Arbeitsformen zu stimmulieren. Auch verhindert man durch ganz neue Organisationsformen, mit einer stärkeren Betonung auf einer ideellen bewusstseins-weckenden Grundlage, dass die Institutionalisierung durchschlägt, bei der das menschliche Verhalten in die Enge getrieben wird. Der Engel wird gezwungen auf eine Weise zu funktionieren, die ihm ursprünglich nicht zu eigen ist. Dies geschieht tatsächlich sehr oft, der ursprüngliche Impuls einer Organisation verschwindet dann ganz und gar aus dem Sichtfeld.

Warum wurde dies durch die Anthroposophen nicht gesehen? Wahrscheinlich, weil Rudolf Steiners Schulungsmethoden primär die Seele auf den Geist richten, nicht den Geist auf das Leben und die Substanz. Die zugrundeliegende Phänomenologie von Goethe besteht aus vier Schritten, das sind die Wahrnehmung der Phänomene; diese in sich zum Leben zu bringen und wie ein Urbild werden zu lassen; als nächstes die innere Führung darin erkennen; und schliesslich den Sinn davon als Willensimpuls wahrzunehmen. Meistens werden nur die ersten zwei Schritte geübt und ausgeführt, diese führen zur Imagination (Bildbewusstsein), wozu auch Steiners Schulungs-methoden ausserordentlich gut geeignet sind. Die zwei Letzten führen zur Inspiration (klares Fühlen) und Intuition (klares Wollen), diese waren zu Steiners Zeit noch nicht direkt zugänglich. Aber seit der Kreuzigung von Christus in der Ätherwelt von 1942 sind diese Wege nun durch das Herz hindurch möglich geworden. (5) Die anthroposophische Bewegung hat leider wenig Antwort darauf, trotz vieler Fragen von meistens jüngeren Menschen, da vieles konsolidiert und weinig weiterentwickelt ist seit Steiners Tod.

Es liegt noch eine andere Ursache zu Grunde, dass höhergestellte Wesen die im sozialen Gebiet begleitend arbeiten, nicht gesehen werden. Rudolf Steiner hatte seine Inspirationen zum grossen Teil von Anthroposophia die stark unter dem Einfluss vom Erzengel Michael steht, sie versucht die allumfassende Weisheit jedem Menschen zu bringen (allüberspannende Mutter Sophia, oder Heiliger Geist). Ein anderer Erzengel, Uriel oder Orifiel, hat sich diesem widersetzt, denn er fand dass jeder Mensch sich seine eigene individuelle Weisheit erobern bzw. sich zueigen machen sollte. Dies durch das Tun und auch das Scheitern, um so aus der Erfahrung zu lernen (lehnt man es ab sich diese Weisheit eigen zu machen, dann steht Uriel für den Tod und die Zerstörung, wird zum Todesengel, der mit seiner Sense Zwietracht und Krieg sät). Dies bedeutet im menschlichen Ermessen das Streben, mit Schicksalsgenossen etwas zusammen zu unternehmen und im Tun, auch mit Fallen und Aufstehen, Geisteseinsicht wirksam zu machen und daran zu wachsen. Das ist etwas anderes als von gegebenen Geisteseinsichten sein Dasein zu leben. Das heisst, dass man schliesslich nur das als Wahrheit verkünden soll, was durchlebt ist, nicht was aus dem Mund eines Anderen kommt. Tut man dies aus innerer Einsicht, dann wird viel Streit vermieden, denn man kann ohne sich angegriffen zu fühlen, anderen zuhören die Einsichten und Dinge erworben haben in welche man sich selbst noch nicht hineinbegeben hat.

Da sich anfänglich innerhalb der anthroposophischen Bewegung mehrere geistige Strömungen vereint haben (es handelte sich ja um die neuen Mysterien, nicht nur um eines), dann durch internen Streit einige davon abseits gestellt wurden, gab es kein Gehör für Erneuerung und Veränderung innerhalb der Gesellschaft. Auch weil die allgemeine anthroposophische Gesellschaft nicht bereit ist nach den wirklichen Folgen von Karma zu schauen. (6) Dieser Streit im Sozialen ist auch die Ursache warum die Dreigliederung keinen Anschluss fand und sich nicht völlig und adequat an den wirtschaftlichen Entwicklungen dieser Zeit profilieren konnte. Steiner selbst sagte noch, dass Anthroposophen am Ende des 20. Jahrhunderts eigentlich nichts anders zu tun bräuchten als ihr eigenes Karma in Ordnung zu bringen.(7)

Doch liegt hier eine grosse Hoffnung für die Zukunft, weil es beabsichtigt ist, dass Michael sich auf dem Altar von Uriel opfert, durch den Menschen hindurch, wodurch er erlöst werden kann von irdischen Beschäftigungen und eine ausserkosmische Aufgabe bekommen kann, zur Vorbereitung auf neue kosmisch-irdische Entwicklungen. Dieses feste Vertrauen auf das was im Menschen steckt, und schliesslich in jeweils einzigartiger Weise zur Entfaltung kommen kann, hilft schliesslich alle Spannungen die das Zusammenarbeiten mit sich bringt, zu überwinden.

Über den Autor

Nicolaas de Jong (1956,Meppel, NL) gründer von der Initiativ ‘Jaspis Schulungskurse’, gibt Workshops in denen mit Hilfe des Modellierens und / oder durch Musik die Siebengliederung besser erlebbar und einsichtiger gemacht wird. Daneben macht er selber Musikinstrumente und gibt er u.a. in verschiedene Länder Kurse in Landschaftsarbeit mit Elementarwesen, wobei der von Sternen-und Planetenwirkungen abgeleitete Musik (Astrophonie) sehr gute möglichkeiten bietet um die Etherwelt zu betreten.

Erschienen in Deutschland in Lazarus, nr.3 2002, ursprunglich erschienen in BRUISVAT, Sommer 2001, No. 5.


Anmerkungen

(1) Weltweit gibt es ungefähr 50.000 Mitglieder der Anthroposophischen Vereinigung; von diesen sind 1,5 % jünger als 30 Jahre. Die Hälfte der Mitglieder ist zwischen 40 – 60 Jahre alt. Deutschland zählt die meisten Mitglieder (21.000), aber auch die Ältesten; 22 % ist 70+ (siehe Antroposophy Worldwide, Sommer 1999, E. Bakker und A.Nijeboer).
(2) Ausführlichere Ausarbeitungen in meinem Buch ‘Wissenschaft Anders’, Kapitel Ekonomie, Rune-Ausgabe 1999. Darin werden hier skizzierte Gesichtpunkte im Lichte der 12-Gliederung betrachtet, fundiert auf den Zeichen des Tierkreises.
(3) Man könnte auch sagen; Einweihung als Zivilisationsprinzip: Dies war bis ins Altertum hinein so, es war ein selbstverständlicher Teil der Kultur dass Menschen in den unterschiedlichsten Mysterientempeln geschult wurden. Damals war es allerdings mehr eine elitäre Angelegenheit. Man wurde ausgewählt oder für geeignet befunden gewisse Einweihungsstufen durch-zumachen. Eine altes Erbe hiervon ist im Universitätswesen zu finden; ein Doktorand stellt mehr dar, ein Doktor eben noch mehr usw. Die Titel ermöglichen Zugang zu mehr gesellschaftlichen Einfluss. Was hier allerdings gemeint ist, ist die Suche nach völlig neuen Entwicklungsgrundlagen für jeden Menschen und sicherlich auch keine auferlegte einseitige lebenslange Schulung, so wie das heute für den ‘Arbeitsmarkt’ proklamiert wird.
(4) Im Konkretem beinhaltet dies einerseits eine Kräftigung der Demokratie und im besonderen mehr Möglichkeiten der Volks-abstimmung, bei bestimmten Themen. Andererseits auch eine Beschränkung: man kann nicht überall nur das Mehrheitsprinzip anwenden.
(5) Christus repräsentiert die Ich-Kraft des Menschen und ist gleichzeitig ein selbständiges Wesen. Von der Anthroposophie heraus betrachtet ist es seit Christus Tod und Auferstehung rund dem Jahr 0 für jeden Menschen allmählich möglich geworden sein eigenes Ich im Innersten zu finden. Die erwähnten Ereignisse im 20. Jahrhundert beschreibt Jesaiah Ben Aharon in dem Buch ‘Das spirituelle Ereignis des 20. Jahrhunderts – Eine Imagination’(Verlag am Goetheanum, 1993). Bezeichnend ist, dass nun für jeden Menschen, durch den Erhaltung des Ich-Bewusstseins, die Möglichkeit besteht in der Ätherwelt (Lebenswelt) wahrzunehmen und zu handeln. Konkret: Man kann jetzt lernen mehr mit seinem Gefühl als Wahrnemungsorgan gerichtet zu hantieren, ohne nach jeder Seite hin und her geworfen zu werden.
(6) Anstatt sich wach gegenüber Hitler zu stellen, hielt eine Mehrheit der AV in 1935 es für notwendig um manche von Rudolf Steiners engsten Mitarbeitern auszuschliessen, gleichzeitig die vollzähligen englischen und niederländischen Vereine. Das Alltagsgeschehen wurde formell wiederhergestellt und der Zentralismus stellte sich dann stetig ein; bis auf heute ist das altmodische Autoritätsprinzip noch aufrecht erhalten. Ausführlich kann man in Nicolaas de Jongs Buch ‘Esoterisches Christentum bis Heute’, Rune-Ausgabe 1998 darüber lesen (wird in Deutsch übersetzt).
(7) Zu finden in der letzten Serie der Karmavorträge, 8 August 1924.

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